Schlappe für Nina Rehfeld

Nina Rehfeld ist eine Journalistin, die zur Zeit in Phoenix/USA lebt und deren Texte u.a. in der FAZ abgedruckt werden. Das alleine wäre keine Erwähnung in diesem Blog mit der Reichweite von 10 Lesern pro Tag wert. In der heutigen Ausgabe der FAZ (23.01.2007, S. 40) findet sich allerdings ein kurzer Artikel von ihr, überschrieben mit “Kriegsparteien – Ein AP-Bericht aus dem Irak zeigt, was Online-Scharfschützen fehlt”, der eine nähere Beschäftigung in diesem Blog verdient. Auf faz.net ist der Bericht unter Schlappe für die Online-Scharfschützen abrufbar.

Thema des Artikels ist ein Konflikt zwischen konservativen Bloggern in den USA und der Nachrichtenagentur AP. Eine sehr ausführliche Darstellung des Ablaufs aus Sicht der Blogger findet sich im Blog Flopping Aces. Die Nachrichtenagentur AP hatte über die Zerstörung von vier Moscheen und, unter Berufung auf einen Bagdader Polizisten namens Jamil Hussein, die Verbrennung von sechs Sunniten unter den Augen irakischer Soldaten berichtet. Konservative Blogger in den USA wie Michelle Malkin zweifelten die Geschichte an, hinterfragten den AP-Bericht sowie die Existenz des Polizisten. Zwischen AP und den Bloggern schaukelte sich daraufhin ein netter Konflikt hoch. Frau Rehfeld nennt diesen Konflikt eine “Hexenjagd gegen die Nachrichtenagentur AP”. Die Existenz eines Polizeioffiziers namens Jamil Hussein wurde von irakischen Offiziellen am 30. November bestritten. Schließlich bot ein gewisser Eason Jordan den Bloggern Michelle Malkin und Bryan Preston die Finanzierung einer Recherchereise in den Irak an. Die Blogger nahmen an, fuhren in den Irak und begaben sich vor Ort auf Spurensuche. Anfang Januar stellt sich heraus, dass es diesen Polizeioffizier doch gibt, nur unter einem anders geschriebenen Namen.

Vorgestern wurde dann das Ergebnis der Recherche der Blogger auf nypost.com veröffentlicht. Was schreibt Michelle Malkin zur Existenz des Polizisten?

WELL, the Iraqi Ministry of Interior says disputed Associated Press source Jamil Hussein does exist.

Also, dieser Polizist existiert.

Was schreibt sie über die vier zerstörten Moscheen?

The Sunni mosques that as Hussein claimed and AP reported as “destroyed,” “torched” and “burned and [blown] up” are all still standing.

Die Moscheen stehen also noch, nicht zerstört, nicht abgebrannt. Allenfalls beschädigt. Dies weist sie mit aktuellen Fotos nach.

Was schreibt sie über die sechs verbrannten Sunniten?

Capt. Aaron Kaufman of Task Force Justice, which works closely with the Iraqi Army battalion that was on the scene and monitored events as they happened, told us: “It was blown way out of proportion, there was nobody lit on fire.”
Capt. Stacy Bare, the civil-affairs officer who took us on patrol in Hurriya, concurred: “There were no six Sunnis burned.”

US-Amerikanische Soldaten bestreiten also den Vorfall. Ein weiterer Zeuge, der von AP genannt wird, ändert seine Meinung. Als einziger Zeuge bleibt lt. Malkin der Polizist mit wechselnder Existenz und wechselndem Namen.

Im Großen und Ganzen kann man also sagen, dass Malkin weiterhin starke Zweifel an dem Artikel der AP und an der Glaubwürdigkeit ihrer Quelle hat. Einige Punkte aus dem AP-Bericht weist sie als falsch nach.

Und heute erscheint dann also ein merkwürdiger Artikel von Nina Rehfeld in der FAZ bzw. auf faz.net, der einen ziemlich laxen Umgang mit der Wahrheit offenbart.

Als Teaser im Onlineangebot gewählt wurde ein Ausschnitt aus Michelle Malkins Blog, mit der Bildunterschrift: “Bekehrte Bloggerin: Michelle Malkin” sowie dem Text

Ein AP-Bericht über den grausamen Mord an sechs Irakern war von konservativen Bloggern in Amerika als unwahr attackiert worden. Jetzt mussten die Onliner klein beigeben – der Artikel stimmte.

Zunächst einmal wurden von den Bloggern berechtigte Zweifel am Wahrheitsgehalt der AP-Meldung geäußert und Dinge hinterfragt. Die Antworten von AP auf diese Fragen fanden die Blogger unbefriedigend. Michelle Malkin zeigt in ihrem NYPost-Beitrag sehr anschaulich, dass der AP-Artikel in vielen Punkten eben nicht stimmte. Es geht daher völlig an der Wahrheit vorbei, sie als “bekehrte Bloggerin” zu bezeichnen. Wie Rehfeld auf den Gedanken kommt, die Blogger müssten nun klein beigeben, wird wohl ebenso ihr Geheimnis bleiben.

Im Artikel selbst finden sich eine Menge abwertender Begriffe, um die Blogger und ihre Arbeit zu beschreiben. Die Rede ist von Online-Scharfschützen, Hexenjagd, Hysterie, Geschrei, einem Jahrmarkt der Eitelkeiten, es wird jounalistisches Porzelan zerschlagen. Die weitere Aburteilung der Blogger findet vor allem anhand der Überschriften und des Teasers statt. Die Behauptung im Untertitel der Printausgabe

Ein AP-Bericht aus dem Irak zeigt, was Online-Scharfschützen fehlt

wird im Artikel nicht weiter aufgegriffen und lässt den unbedarften Leser nach dem Lesen des Artikels etwas ratlos zurück. Er hätte dann schon noch gerne gewusst, was denn genau fehlt. Kennt der Leser die Geschichte hinter dieser Geschichte nicht, dann bleibt aber zumindest der Eindruck, die Blogger haben sich in etwas hineingesteigert und dann grandios und auf ganzer Linie versagt. Kennt der Leser aber die Geschichte hinter der Geschichte, dann bleibt von Nina Rehfelds Stück nicht viel mehr übrig als Blogger-Bashing ohne Substanz.

Übrigens: Anders als der Artikel behauptet ist Eason Jordan, der Finanzier der Reise, nicht mehr der CNN-Nachrichtenchef. Gerade Nina Rehfeld müsste das wissen, diente ihr der Rücktritt Eason Jordans im Jahr 2005 doch als Aufhänger eines ganz ähnlichen Blogger-Bashings in der FAZ. Nicht fehlen durfte auch damals der Begriff “Hexenjagd“. Wenn ich mir als Vertreter des guten alten Printjournalismus schon anmaße, in der oben bezeichneten Weise über Vertreter des Blogging Journalism zu urteilen, dann sollte ich doch wenigstens darauf achten, dass die Fakten stimmen.

Warum Nina Rehfeld in ihrem Artikel wiederholt die Unwahrheit sagt, Wesentliches verschweigt und kaum ein gutes Haar an den Bloggern lässt, darüber kann man nur spekulieren. Angst vor einem Bedeutungsverlust durch Blogger? Wahrscheinlich. Wenn alle Journalisten so schlampig und tendenziös arbeiten würden wie Frau Rehfeld, dann ist diese Angst allerdings auch berechtigt.

12 Comments

Filed under Deutsch, Iraq, Media

12 Responses to Schlappe für Nina Rehfeld

  1. Pingback: Neues von der FAZ « Pretty Girls Make Graves

  2. Felix Deutsch

    Wie schön, dass Malkins Dummheiten nun auch im deutschen Sprachraum adäquat vertreten werden. NOT.

    Siehe auch: http://sadlyno.com/archives/4921.html

  3. @Felix:
    Danke für den Hinweis.

    Ergänzend zu deinem Link sei bemerkt, dass auf http://michellemalkin.com/archives/006728.htm bzgl. der Nidda-Alaa-Moschee steht: “The other side of the dome was partially blown out.”

    Die Kritik auf sadlyno.com ändert auch nichts daran, dass der FAZ-Beitrag Unwahrheiten enthält. Malkin ist nicht bekehrt, denn sie hält ja im Großen und Ganzen an ihren Vorwürfen gegen AP fest. Die Blogger haben auch, anders als behauptet, nicht klein beigegeben, das “Geschrei” ist also auch nicht verstummt. Und schließlich der Lapsus mit Eason Jordan.

  4. “Blogger” sind doch keine homogene Masse. Und die Glaubwürdigkeit von Malkin et. al. ist nach allen (nun über mehrere Jahre gemachten) Erfahrungen doch eher negativ.

    Medien wg. wirklicher Fehler kritisieren ist was anderes als jede Woche eine neue Kontroverse aus dem Nichts zu erfinden um auf den Überbringer der schlechten Botschaft zu schiessen, weil einem die Fakten (hier: der aktuelle Kriegsverlauf) nicht passen.

    Eine umfangreiche Übersicht findet sich hier:
    http://glenngreenwald.blogspot.com/2007/01/credibility-of-right-wing-blogosphere.html

  5. Es ist gut, dass Blogger keine homogene Masse sind. Auch Journalisten keine homogene Masse, und das ist auch gut.

    Aber völlig unabhängig davon, inwieweit der Artikel von Malkin wahr oder unwahr ist, und völlig unabhängig davon, inwieweit die AP recht oder unrecht hatte, vermittelt der FAZ-Artikel den Eindruck, die Blogger um Malkin würden nun zu Kreuze kriechen. Wenn Malkin von “AP’s faulty coverage and rumor-based war reporting” spricht, dann kann ich schlecht behaupten, sie wäre bekehrt oder würde klein beigeben, es würde nun kleinlaut berichtet oder das Geschrei wäre verstummt.

    Und da stelle ich mir einfach die Frage, warum der Leser schlecht (falsch) informiert wird. Schlechte Recherche? Keine Recherche? Und denke an den Anspruch, den Journalisten an ihre Arbeit stellen und den sie Bloggern häufig generell absprechen.

    Ich bin aber kein Journalist, und mit Blogging hab ich auch nur insoweit zu tun, dass ich gerne in Blogs lese und seit einigen Wochen unregelmäßig meine unausgegorenen Gedanken hier absondere; ich würde mich selbst nicht als Blogger bezeichnen. Bei den Blogs, die ich lese, weiß ich aber in der Regel, ob und welche Agenda dahintersteckt. Bei den klassischen Medien und insbesondere den Agenturen sitze ich vor einer Black Box.

  6. Tim

    Als freier Journalist im Ausland hatte man früher ein nettes Leben – unsere Frau in den USA. Heute sind Internet und blogs viel schneller, und englisch ist auch keine echte Sprachbarriere mehr. Da hat sich die Medienwelt schon ziemlich verändert seit 2003 – dem Jahr in dem Frau Rehfeld Deutschland den Rücken kehrte.

  7. S1IG

    @distinction
    Danke für den Artikel. Interessant ist der Versuch von Frau Rehfeld Michele zu einem “Blogger” zu “degradieren”. Michele Malkin ist eine anerkannte Journalistin – wurmt das vielleicht NinaRehfeld? ;-)

    Das die Entlassung von Jordan an Frau Rehfeld vorbeigegangen ist, ist in der Tat eine bittere Zugabe. Hat die Dame oder der bearbeitende Redakteur dieses kleine Detail übersehen?

  8. Pingback: YAMB.BETA² » links for 2007-01-28

  9. Pingback: Eine deutsche Lanze für Michelle Malkin « Sendungsbewusstsein

  10. Denis

    Mehr als 10 schon^^
    ich weiss zwar nicht wie, aber ich bin auf deinen Blogg gestoßen …toll nicht, wa…!
    ich geh mal frühstücken dann lese ich mal weiter..!^^

  11. Wenn man schaut, wie Bloggs die Medienwelt verändern, kann doch verstehen, dass Journalisten die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen es mit der Angst zu tun bekommen …

  12. Pingback: Waaaahnsinn, warum schickst Du mir die "FAS" - EFFFAAEFFAAESSSS

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